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Stefan Blankertz
Penelope Heiler: Kampf dem Gesundheitsterror
2068-2077

484 Seiten, [D] 18,50 €
edition g. 207
ISBN 978-3-8391-1275-5

Penelope Heiler (Haÿla), 2047, Ikone des Kampfes der Alten gegen Diskriminierung und Überwachung durch das Gesundheitsministerium 2068, und 2077 im Untergrundkampf an der Seite der Baskischen Altenbrigarde. Seither in Haft.
Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt. Wer sich wehrt, stirbt.
Auf George Orwell, 1984, habt ihr nicht gehört und die Quittung gekriegt. Auf Penelope Heiler sollet ihr hören. 2006 geschrieben und jeden Tag rückt 2068 näher. Der Gesundheitsterror wird euch schneller einholen, als euch lieb ist.
2068: Europa ist mit China verbündet. Die USA sind der dämonisierte Feind. Statt Denglisch spricht man Chineutsch. Am Arm muss jeder ein »Zwanjang« tragen, ein Gerät, das einem sagt, was gesund ist. Die Regierung besteht aus nichts mehr als dem Gesundheitsministerium, dem allgewaltigen Zentrum der Herrschaft. Wer nicht auf sein Zwanjang hört, kriegt Strafpunkte. Zu viele Strafpunkte führen zur Entmündigung. Alle unterwerfen sich. Alle? Nein, eine Gruppe von Alten probt den Aufstand. Und schon bald schließen sich auch junge Studenten dem Protest an. Unter ihnen Penelope Heiler. Als ihr Freund, einer der renitenten Alten, stirbt und Penelope die mysteriösen Umstände seines Todes aufklären will, wird sie zur Ikone des Widerstandes.
Von der Wirkungslosigkeit des auf Spaß und Kreativität gegründeten Widerstandes entnervt, geht sie 2077 in den bewaffneten Untergrund. Sprengstoffanschläge und Entführungen sind nun die Mittel, mit denen sie Widerstand gegen das Gesundheitsministerium leisten will. Sie ist empört über Bevormundung, Ausgrenzung und Entmündigung von alten und behinderten Menschen. Über die Steuerung menschlicher Regungen durch chemische Substanzen. Und über die Tötung von Menschen, deren ärztliche Versorgung »zu teuer« geworden ist. Aber als sie erkennt, dass sie den falschen Weg eingeschlagen hat, ist es zu spät. Sie muss erfahren, wie ihr Idealismus sie zum Spielball fremder Interessen macht. Welche Möglichkeiten bleiben ihr? Bis zum bitteren Ende gibt sie nicht auf.

Gerade hatte ich einen Menschen mit einer Bombe zerfetzt und sollte jetzt weischingen Tee gemütlich trinken und nährwertoptimierte Plätzchen essen? (S. 295.)

Papa grämte sich sehr, sobald er aus seiner Mythenwelt auftauchte, weigerte sich jedoch, Chemie einzunehmen, ebenso wie an Psycho-, Paar- und Familientherapie teilzunehmen, sodass er dann letztes Jahr sein Bing-Strafpunkte-Konto voll hatte, entmündigt wurde und selber in ein Zanfeidalu kam. Nur meine Mutter folgte der rechten Verfahrensweise und hielt sich mit Dreckszeug im Gleichgewicht. Ein Schauër überlief mich. (S. 321.)

Zum Vorschein kam eine weitere Tür, die Karl öffnete. Als er sie schloss, zog er an vier Stricken, mit denen der Schrank, dem Geräusch zufolge, wieder vor die Tür gezogen wurde. Ein fast absurd erscheinendes Stück primitiver, archaischer Mechanik in unserer Welt, die zwar vom Verfall gekennzeichnet war, sich aber auf höchstem technischem Niveau befand. (S. 359.)

Ich hatte seit über zwei Wochen kein Jaocao mehr genommen. O Gott, es war wie die Explosion von Rongdianki! Die Flasche Jack Daniels fiel um und der Restalkohol ergoss sich auf die cremefarbenen Ledersitze. Wir brauchten nicht mehr zu trinken, atmen genügte! (S. 370.)

Ich selber galt als überfällig, weil über Mitte Zwanzig; bloß mein unabgeschlossenes Studium half mir, die offizielle »Einberufung zur Reproduktion« aufzuschieben. Lange wäre das aber nicht mehr gegangen. Unser ganzes Leben, der Rhythmus des Daseins wurde bis in die intimsten Details durch Chemie bestimmt. (S. 370.)

Schöner Schlamassel! Heiliger Schlamassel! Von wegen schön! Von wegen heilig! Hässlich und ganz und gar dekadent, das war der Schlamassel. Ja, es war dieser Moment, an dem ich meinte, ganz und gar zu begreifen, was das hieß: »Enthaltsamkeit ist Kampf.« (S. 417.)