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Die Konkunine des Erzbischofs

Mittelalter-Krimi. Nr. 1 der El-Arab-Serie

– jetzt als eBook auf Apple, Kindle etc. –

Zeit der Handlung: 1252 (Geburt von Johannes zu Köln, Schüler des El Arab; n.b. Thomas von Aquin ist derzeit Schüler bei Albertus Magnus und hat einen Gastauftritt) 

Berlin 2012 (Virulent)

Der Text von 2001 ist für die Neuausgabe überarbeitet worden.

Und hat ein neues, angemessenes Cover bekommen. 

Was ist anders an meinen Mittelalterromanen?

Die Fürsprecher einer vernünftigen und toleranten Haltung zum Körper und zum irdischen Daseins sollten, so meine Absicht, eine Stimme bekommen, weil in der Geschichtsschreibung zu stark der Eindruck erzeugt wird, als erschöpfe sich die Kirche im Kampf gegen die Heimsuchungen des Leibes. Die Stimme des Denkens kommt uns heute, selbst wenn wir sie im Mittelalter nicht ahnen, allerdings bekannt vor.

Bisweilen wird behauptet, das Fühlen und Denken anderer Kulturen oder anderer Epochen sei so verschieden von uns, dass sich keiner heute so recht dahineinversetzen könne. Wenn ich jedoch Romane von chinesischen oder japanischen Autoren lese, wenn ich den Briefwechsel zwischen Peter Abaelard und seiner geliebten Heloise lese, wenn ich die Ilias und Odyssee lese oder die Bibel – immer fällt mir eher das Verbindende als das Trennende auf. Sicherlich sind die sprachlichen Riten anders und zunächst fremd. Die dahinter stehenden Gefühle, die menschlichen Ängste und Auseinandersetzungen ähneln sich jedoch stark. Sobald sich der Leser in sie »hineingefunden« hat, ist ihm die »fremde« Kultur oder Epoche alles andere als fremd.

Immer und überall stehen die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten, mit ihrer Freude und Ausgelassenheit, mit ihrem Großmut und ihrer kleinlichen Gehässigkeit angeblich rationalen, aber kühlen und letztendlich menschenverachtenden Strukturen, Systemen und Ideologien gegenüber, die unnachsichtig alles verfolgen und ausmerzen, was abweicht. Ob Sokrates im antiken Athen, der »scholastische Sokrates« Peter Abaelard im Mittelalter oder der Psychotherapeut Wilhelm Reich im nationalsozialistischen Deutschland bzw. demokratischen Amerika – wer nicht ins »rationale« Konzept passt, wird auf die eine oder andere Weise vernichtet.

Eine zentrale Herausforderung beim Schreiben von im Mittelalter spielenden historischen Romanen stellt jedoch die Sprache dar. Einerseits will und kann man als heutiger Autor keinen authentischen mittelalterlichen Text verfassen. Wer einen authentischen mittelalterlichen Text lesen möchte, sollte auf die entsprechenden überlieferten literarischen Werke zurückgreifen. Andererseits hängt die Überzeugungskraft eines Romans – nach Mario Vargas Llosa das entscheidende Kriterium für die Güte eines Kunstwerkes – entscheidend von der sprachlichen Atmosphäre ab.

Eine im Hintergrund wirksame Regel, um eine fiktiv-authentische mittelalterliche Sprachatmosphäre zu schaffen, lautet, nach Möglichkeit auf Worte zu verzichten, die keinen mittelhochdeutschen Stamm haben. Worte wie »authentisch«, »konstruieren«, »reagieren« gelangen erst nach dem Mittelalter ins Deutsche; »konstruieren« wird, obwohl lateinischstämmig, erst im 16. Jahrhunderte über das Italienische kommend in den deutschen Sprachschatz aufgenommen. Darum klingt es für mich schräg, wenn in der »Baudolino«-Übersetzung u.a. »konstruiert« wird: Umberto Eco hat das Wort völlig zu Recht im italienischen Original benutzt. Für eine authentische Übersetzung hätte man auf ein anderes Wort zurückgreifen sollen.

Ein erster Check, ob ein Wort »alt« ist, besteht darin zu spüren, ob es als Fremdwort wahrgenommen wird. Bei »konstruieren«, »Fenster« oder »Nase« handelt es sich zwar in allen drei Fällen um lateinischstämmige Worte, aber nur das erste kling nach einem Fremdwort, die beiden anderen nicht. Für ein vertieftes Sprachverständnis kommt man allerdings nicht darum herum, in entsprechenden etymologischen Wörterbüchern nachzuschauen.
 Nach der Recherche tun sich dann einige Probleme auf: Wir müssen nicht nur auf die Worte wie »konstruieren«, »reagieren« oder »Idee« verzichten, sondern z.B. ebenso auf das geläufige Wort »Plan« – und damit auch auf »planen«! Das Wort »Absicht« bedeutet ja nicht genau das gleiche wie »Plan« (noch deutlicher wird der Unterschied bei den Verbformen »beabsichtigen – planen«. Hier heißt es, flexibel und kreativ zu sein. Jeder, der es versucht, wird jedoch bald bemerken, wie gut die Beschränkung auf Worte mit mittelhochdeutschem Stamm dabei unterstützt, in mittelalterliche Begriffslogik und Sprachbilder zu finden.

Da es keine Neuhochdeutsch-Mittelhochdeutsch-Wörter­bücher gibt, muss man sich eigene Wortlisten anlegen. Ein Trick, den ich unter anderen angewandt habe, um an authentische mittelhochdeutsche Formulierungen zu kommen, besteht darin, dass ich das neuhochdeutsche Wort, für das ich eine mittelhochdeutsche Entsprechung suchte, zunächst ins Lateinische übersetzt und dieses dann im »Glossarium Latino-Germanicum« nachgeschaut habe. Das »Glossarium« ist ein Wörterbuch von 1857, in welchem Quellen aus dem 15. Jahrhundert ausgewertet wurden.

Eine Zwitterstellung nehmen die Luther-Worte ein. Einerseits ist das Luther-Deutsch ja eindeutig nicht Mittelhochdeutsch; andererseits hat Martin Luther »dem Volk aufs Maul geschaut«. Man kann also davon ausgehen, dass er viele Worte, die bei ihm zuerst schriftlich niedergelegt sind, schon vorher im Gebrauch waren. Ich habe Luther-Worte nicht grundsätzlich gemieden. Sie bieten sich besonders da an, wo Luther Eindeutschungen für Worte erfunden (oder gefunden) hat, die im Mittelalter wahrscheinlich lateinisch gebraucht wurden, z.B. »Morgenland« und »Abendland« für »Orient« und »Okzident«.

Wenn man als Schriftsteller für den heutigen Leser verständlich bleiben will, kann man die hier vorgestellte Regel nicht dogmatisch befolgen. Vor allem muss man die im Neuhochdeutschen nicht mehr gebräuchlichen mittelhochdeutschen Ausdrücke jeweils in einen Kontext einbetten, in welchem sich ihre Bedeutung dem Leser möglichst leicht erschließen.