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Demudis

Mittelalter-Krimi, Nr. 4 der El-Arab-Serie (obwohl, streng genommen, El Arab nicht mehr darin vorkommt, weil schon lange verstorben – aber immerhin gibt es hier einen Gastauftritt von seinem Schüler Johannes und nebenbei die Auflösung von "Credo")

Zeit der Handlung: 1327 (Ketzerprozess gegen Meister Eckhard)

– jetzt als eBook bei Apple, Kindle etc. –

Berlin 2012 (Virulent)

Der Text von 2004 ist für die Neuausgabe überarbeitet worden.

Und hat ein neues, angemessenes Cover bekommen.

Was ist anders an meinen Mittelalterromanen?

Die extreme sinnliche Ausschweifung auch und gerade in der Askese, das Schwelgen in einer erotischen Gotteserfahrung, das die mittelalterliche Mystik charakterisiert, ist uns nach Aufklärung und Säkularisation fremd geworden. Die Beginenmystik, die über drei Jahrhunderte in vielen Teilen Europas verbreitet war, setzte eine ältere Tradition fort. Dadurch, dass sie von Frauen getragen wurde, die die Vereinigung mit Jesus Christus, ihrem »Bräutigam« und »Gemahl«, in viel anschaulichere, ja drastischere Bilder kleiden konnten, bekam sie jedoch einen neuen, fast verstörenden Akzent. Gleichwohl handelte es sich um Lebensentwürfe, die auch in der Gegenwart denen wertvolle Anregungen zu geben vermögen, die nach einem Sinn in all dem Leiden der Welt suchen, vor allem da die technische Entwicklung keineswegs diese Leiden vermindert, sondern zum Teil sogar noch vermehrt hat.

Die bekanntere sogenannte »Deutsche Mystik«, an deren Spitze Meister Eckhart sich befindet, stellt gegenüber der Beginenmystik eine rationalistische Abschwächung dar. Ein Beispiel ist die extreme Askese (neben Hunger- wurde bisweilen auch Durstaskese eingesetzt), mit der Gottes Gnade gleichsam verdient werden sollte. Meister Eckhart lehnte dies ab, weil es sich dabei um das Bestreben handeln würde, Gottes Gnade zu erzwingen. Andererseits bemerkte er, dass, wenn Gott nicht täte, was man wolle, es einem lediglich an Demut gebreche. Demut erzwingt demzufolge Gottes Gnade. Der Unterschied liegt nicht im Konzept, sondern in den Mitteln der Umsetzung.

Der starke Einfluss der Beginenmystik auf Meister Eckhart ist biographisch zwar gut belegt, wird aber in der Rezeption der Lehre von Meister Eckhart meist nur am Rande erwähnt, wenn überhaupt. Dabei sind die Parallelen zwischen Beginenmystik und der mystischen Lehre Meister Eckharts an vielen Stellen offensichtlich. Die Abschwächung von Meister Eckhart bestand hauptsächlich darin, dass er die reale, körperlich sich manifestierende Liebesvereinigung mit dem »himmlischen Bräutigam« in eine rein geistige Angelegenheit sublimierte. Damit reduzierte er den Skandal der geistlichen Erotik, den die Beginenmystik schon damals in der Amtskirche ausgelöst hat, aber versuchte zugleich, viel von deren Sinngehalt zu bewahren.

Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Meister Eckhart ursprünglich kein Mystiker war. Er sah sich in der Nachfolge von Albertus Magnus und Thomas von Aquin als vernunftorientierter Scholastiker. Erst nachdem er mit der Seelsorge der Straßburger Beginen beauftragt wurde, wandte er sich mystischen Erfahrungen zu. Es kann durchaus die Frage gestellt werden, ob Meister Eckhart überhaupt eigene mystische Erfahrungen gemacht hat oder ob es bei seinen dementsprechenden Texten nicht um Interpretationen der Beginenmystik handelt.

Die Beginen stellten kein Randphänomen dar. In Köln, einem Zentrum der Bewegung, lebten Ende des 13., Anfang des 14. Jahrhunderts schätzungsweise 2.000 Beginen, das sind rund sechs Prozent der Bevölkerung. Das Beginenwesen war keine organisierte Bewegung. Im Gegensatz zur franziskanischen Bewegung rund ein Jahrhundert früher, die gegen den ausdrücklichen Willen des Franz von Assisi zwangsweise institutionalisiert wurde, hat es weder von der Kirche noch von den Beginen selbst ausgehend Ansätze gegeben, zu einer einheitlichen oder gar hierarchischen Organisationsform zu finden. Dort, wo die Beginen in Verruf gekommen waren, sei es durch ketzerische bzw. scheinbar ketzerische Lehren, sei es durch die Vorwürfe eines zweifelhaften Lebenswandels, wurden sie bisweilen gedrängt, sich bestehenden Ordensgemeinschaften anzuschließen; sie wählten dazu meist die Augustinerinnen, die Klarissen oder die Dominikanerinnen.

Woher der Name Begine stammt, ist bis heute umstritten. Zur Auswahl stehen: Begine käme von »benigna« (lateinisch: gütig, wohltätig), von »beige« wegen der Farbe ihrer Tracht, von »to beg« (englisch: bitten, betteln; im Grimm’schen Wörterbuch wird jedoch auch die umgekehrte Möglichkeit erwähnt, dass »to beg« aus Begine entstanden sei), von Lambert de Bègue (einem Lütticher Priester, der – wohl fälschlicherweise – als Begründer des Beginentums galt), von der heiligen Begga († 694) oder von »Albigenser« (der Name der südfranzösischen Katharer, einer ketzerischen Bewegung im 13. Jahrhundert).

Die Beginen wurden von der Kirche teils beschützt, manchmal sogar hofiert, teils argwöhnisch beäugt und sogar gnadenlos verfolgt. Genauso wie die Beginen sich mit den Bettelorden verbanden, verbanden sie sich an manchen Orten mit als ketzerisch stigmatisierten Gruppierungen, etwa denen der »Brüder und Schwestern des freien Geistes«. Das bekannteste Opfer der Beginenverfolgung ist die Französin Marguerite Porete, die 1310 wegen ihrer – wahrscheinlich auch Meister Eckhart beeinflusst habenden – Schrift »Spiegel der einfachen Seelen« in Paris verbrannt wurde. Sich selbst haben die Beginen jedoch fast immer als rechtgläubige katholische Christinnen definiert. Wenn sie der Ketzerei bezichtigt wurden, so meist gegen ihr Eigenverständnis.

Die soziale Herkunft der Beginen gleicht in etwa derjenigen der Nonnen: Oft waren es adelige Damen oder, in den Städten, Frauen aus dem Bürgertum. Niedere Stände waren bis ins 14. Jahrhundert hinein eher selten vertreten; später wurden die Beginenhäuser vielfach auch zu Sozialstationen, in denen ärmere Frauen aufgenommen und versorgt wurden. Die Beginenkonvente lebten von den Stiftungen, die sie bekamen, von den eigenen Gütern, die sie einbrachten, vom Betteln und vom Handwerk, das sie manchmal und an manchen Orten betrieben. Die meisten Beginen engagierten sich auch in der Alten- und Krankenpflege. Aus Beginenhäusern gingen später oft Hospize und Krankenhäuser hervor. Sie gaben sich die Regeln ihres Zusammenlebens selbst, bis auf die punktuellen Ausnahmen, wo ihnen einzelne Bestimmungen auferlegt wurden, z.B. ein Eintrittsalter von über 40 Jahre zu beachten oder von der Diskussion schwieriger theologischer Fragen wie der Trinitätslehre abzusehen. Sie legten kein Gelübde ab und waren frei zu kommen und zu gehen, wie es ihnen passte. Zu erkennen waren sie an ihrer beigen Tracht.

Die Feindschaft gegen die Beginen, die besonders vom Weltklerus ausging, hatte handfeste ökonomische Gründe: Die Beginen animierten die Bevölkerung dazu, ihre Seelsorge bei den Bettelorden zu suchen. Damit gingen dem Weltklerus die entsprechenden Einnahmen verloren. Auch die Bischöfe und Erzbischöfe, die von den Steuern lebten, die der Weltklerus auf seine Einnahmen zahlte, hatten Verluste zu beklagen. Die Beginen fungierten überdies an zahlreichen Orten als Grundstückbesitzerinnen, wenn es Klöstern z.B. aufgrund des Armutsgebotes nicht opportun erschien, selbst eine größere Landschenkung entgegenzunehmen. Auch dies war dem weltlichen Zweig der Kirche ein Dorn im Auge, denn er hätte die entsprechenden Schenkungen gerne für sich vereinnahmt.

Reformatoren im 16. Jahrhundert erwählten die Beginen mehr noch als die Mönche und Nonnen zur Zielscheibe ihrer Angriffe und degradierten das Wort »Begine« zum Schimpfwort.