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Ambrosius
Callinische Hymnen
nebst 12 Bildgebeten von Georgia von Schlieffen
124 Seiten
edition g. 306
2., durchgesehene Auflage
[D] € 12,80
ISBN 978-3-7386-4517-0

Ambrosius (333-397), zur eigenen Überraschung und der der ganzen Welt 374 aus einem Staatsbeamten in den Bischof von Mailand transformiert, Heiliger, Kirchenvater, wird in XII Hymnen seziert. Ezra und Pablo stehen Pate, Friedrich & Arno schauen uns über die Schultern. Nebst 12 Bildgebeten von Georgia von Schlieffen. Ein experimentelles künstlerisch-spirituelles Text-Bild-Erlebnis.

In Brechtscher Weise verwende ich historisches Material, um einen Kommentar zu Gegenwartproblemen zu schreiben. Während Brecht jedoch eine vulgär-marxistische Perspektive – die gute Masse versus das böse, bürgerlich-kapitalistische Individuum mit sinisteren Absichten wider die Masse – illustrativ als Agitprop in Szene setzt, breche ich sowohl das Idealbild der Masse zum willfährigen Wachs in den Händen der zweckrational weisen, aber moralisch bösen Mächtigen als auch die Heldenverehrung: Auch die konservative Kulturkritik, die gegen die Masse das von ihr unterdrückte Individuum als Träger von Kultur und Tugend in verzweifeltem Abwehrkampf hochhält, hat keine Chance. Dieser doppelte Negation im Interesse eines emphatischen überhistorischen Subjektbegriffs weisen dem Zyklus der »Callinischen Hymnen« eine aufklärerische Funktion zu, die nicht in Theorie gerinnen kann: Jeder Fixpunkt, jede Parteinahme sei Ausgangspunkt für die nächste Rückfrage, für den nächsten Zweifel, der zum Verzweifeln treibt. Damit lösen die Hymnen das Diktum von Charles Bernstein ein, »die giftigen gesellschaftlichen Emissionen in etwas zu verwandeln, das sich atmen lässt«. Die giftigen gesellschaftlichen Emissionen werden ausgeübt von dem Zwang zur Parteinahme, dem Zwang, den praktischen Ausweg pragmatisch eingepasst in die gegebenen Bedingungen von Herrschaft und Gewaltpolitik zu weisen. Erst wenn wir uns diesem Zwang der political correctness verweigern, können wir gleichsam intellektuell durchatmen.

Für die Musikliebhaber werden John Cages 4’33’’ und 0’00’’ aufgeführt, für Jünger von Ernst Jünger singt ein Kontraheror.